Und alles beginnt mit einer ganz einfachen Frage: Wie bin ich überhaupt dazu gekommen?
Im Januar habe ich meinen eigenen kleinen Raum eröffnet. Einen Ort, der wachsen darf, ohne Druck, ohne Eile. Denn ich mache das nicht hauptberuflich. Mein Alltag spielt sich in einer kleinen Anwaltskanzlei ab, in der ich als Rechtsanwaltsfachangestellte arbeite. Und wer schon einmal nebenbei etwas Eigenes aufgebaut hat, weiß, was das bedeutet: Es kann sich für mich erst dann wirklich gut anfühlen, wenn nichts unter Druck entsteht. Wenn Dinge nicht müssen, sondern dürfen. Wenn sie sich entfalten dürfen, in ihrem eigenen Tempo. Alles andere fühlt sich für mich schnell eng an – als würde ich mich selbst verlieren, statt etwas aufzubauen.
Eine eigene Firma habe ich bereits seit vielen Jahren. Damals begann alles mit einem Webshop für Modellautos – eine Leidenschaft, die mich schon sehr lange begleitet. Doch irgendwann kam der Wunsch hinzu, noch etwas anderes entstehen zu lassen. Etwas noch mehr Fanni.
Mineralien. Schmuck. Energiearbeit.
Als ausgebildete Reiki-Meisterin wollte ich all das in einem kleinen, ruhigen Rahmen anbieten.
Ohne Druck. Ohne Zwang.
„Die richtigen Menschen finden mich, wenn die Zeit dafür da ist.“
Dann stand plötzlich meine Nachbarin vor mir und stellte eine Aussage in den Raum, die alles ins Rollen brachte:
„Mach doch bei den Kunsthandwerkertagen mit.“
Ui. Was für eine Hausnummer. Bin ich dafür bereit? Warum eigentlich nicht? Hatte ich jemals ernsthaft darüber nachgedacht? Nein. Keine Sekunde. Und doch war in diesem Moment sofort ein Impuls da. Klar. Direkt. Ich entschied: Da bin ich dabei.
Zeit hatte ich eigentlich nicht. Und ehrlich gesagt auch nicht die innere Ruhe. Die letzten Monate waren durch unsere Wohnsituation und die Auseinandersetzungen mit Versicherung und verschiedenen Stellen sehr belastend. Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind, mussten plötzlich erklärt, begründet oder sogar vor Gericht geklärt werden. Das kostet Kraft. Und manchmal auch ein Stück Leichtigkeit.
Ich mag es friedlich. Klar. Unkompliziert. Und genau deshalb war diese Entscheidung vielleicht auch mehr als nur eine Teilnahme an einem Markt – vielleicht war sie ein kleines Gegenstück zu all dem Schweren. Eine Unterbrechung. Ein Atemzug. Eine Ablenkung, die sich gleichzeitig wie ein neuer Anfang anfühlte.
Also meldete ich mich an. Ganz schlicht. Ohne große Erwartungen. Und stellte mich der Handwerkskammer einfach vor – ehrlich, offen, unkompliziert. Und wurde als Teilnehmerin aufgenommen.
Die Zeit bis dahin war ein Wechselspiel aus Vorfreude und leiser Unsicherheit. Zwei Wochen vorher begann ich mich intensiver zu fragen:
Was mache ich da eigentlich?
Was stelle ich aus?
Wie zeige ich mich?
Und vor allem:
Reicht das, was ich habe?
Die Vorbereitungen waren liebevoll – und gleichzeitig sehr improvisiert. Ich bastelte kleine Schilder aus Kraftpapier, schrieb von Hand, wer ich bin, was ich anbiete, welche Preise gelten. Zuhause wirkten sie groß, präsent, fast selbstverständlich.
Vor Ort waren sie plötzlich klein. Fast unscheinbar.
Ein besonderes Highlight war mein Losglas. Eine Idee aus meiner Kindheit. Ich habe Lose geliebt – vor allem die, bei denen es keine Nieten gab. Dieses kleine Gefühl von Vorfreude. Also bastelte ich mir mein erstes Gefäß aus Pappe. Das sah echt schlimm aus. Und so beschlossen wir eines aus Glas zu kaufen. Ich bereitete 200 Lose vor und war überzeugt, das sei unglaublich viel. Am Ende bedeckten sie gerade einmal den Boden. Und ich musste wirklich lachen.
Der erste Tag begann früh. Und mit Nervosität. Ich war sehr dankbar, dass meine Nachbarin mir einen Tisch organisiert hatte. An eine Tischdecke hatte ich in all der Aufregung kaum gedacht. Ich hatte zwar gesucht, aber nichts Passendes gefunden, also entschied ich, dass der Tisch einfach pur verbleiben sollte.
Zum Glück gab es jemanden mit Erfahrung vor Ort, der mir ganz selbstverständlich ein paar kleine „Insider“ zeigte. Und plötzlich bekam mein Stand Struktur. Stoffe, die dazugelegt wurden, ließen meine Mineralien ganz anders wirken – lebendiger, klarer, fast leuchtend. Ein großes Dankeschön gilt all den lieben Menschen um mich herum, die mich auf meiner Reise begleiteten und mich unterstützten.
Noch bevor es offiziell losging, stand der erste Besucher in der Tür und fragte, ob er schon eintreten dürfe.
Und in mir dachte ich nur:
„Jetzt geht es wirklich los.“
Ich bin kein Mensch, der leicht auf andere zugeht. Ich beobachte lieber zuerst. Höre zu. Spüre Menschen, bevor ich spreche. Große Gruppen wirken für mich schnell zu laut, zu schnell, zu oberflächlich.
Und plötzlich war ich genau dort. Mitten drin.
Es waren nicht viele Besucher an meinem Stand – vielleicht fünf bis zehn am ersten Tag. Und doch bekam jeder einzelne meine volle Aufmerksamkeit. Kein Zeitdruck. Kein „weitergehen müssen“. Einfach Bestaunen und Fühlen. Gespräch. Begegnung. Präsenz.
Und ich war stolz auf mich.
Gleichzeitig war es unglaublich anstrengend. So sehr, dass ich am Abend einfach nur noch ins Bett fiel und sofort einschlief.
Der zweite Tag fühlte sich anders an. Nicht wirklich entspannt – aber vertrauter. Als hätte mein System verstanden: Das rockst du. Ich war nicht mehr so fremd in dem, was ich tat. Die Begegnungen waren es, die alles getragen haben.
Meine Lose haben auch alle zum Strahlen gebracht. Ein Trommelstein nach dem anderen huschte in die Taschen ihrer neuen Besitzer. Und meine Hauptgewinne zogen tatsächlich an beiden Tagen meine allerjüngsten Gäste.
Da war der kleine Junge, vielleicht zwei oder drei Jahre alt, der den Hauptgewinn zog – eine Behandlung nach freier Wahl. Natürlich konnte er damit nichts anfangen. Aber seine Großmutter strahlte umso mehr.
Und dann dieses kleine Mädchen, das sich ein Armband aussuchen durfte und ohne Zögern direkt zu einem lilafarbenen griff.
Besonders berührt hat mich auch, dass Menschen aus dem Dorf kamen – Menschen, die ich vorher kaum kannte. Sie blieben stehen, wir kamen ins Gespräch, sie erzählten weiter und empfahlen mich. Das war unerwartet. Und ehrlich gesagt auch berührend auf eine Weise, die ich kaum in Worte fassen kann.
Zwei Frauen sind mir besonders in Erinnerung geblieben. Sie bastelten bei mir Armbänder – aber eigentlich war es viel mehr als das. Es waren Gespräche, echtes Lachen, kleine Verbindungen, die sich ganz nebenbei gebildet haben.
Und am Ende stand dieser Satz:
„Wir würden gern auch Ohrringe machen.“
Ein Angebot, das es bis dahin noch gar nicht gab. Die Idee war perfekt - warum auch nur Armbänder anbieten, wenn es noch so viel mehr gibt.
Also begann ich zu lernen. Weiterzudenken. Mich zu entwickeln.
Auch das Thema Materialien war eine Reise für sich. Anfangs bestellte ich international – mit langen Lieferzeiten, hohen Versandkosten und Zoll. Und schnell wurde mir klar: So funktioniert das für mich nicht. Heute wähle ich noch bewusster. Regionaler. Direkter. Teurer vielleicht – aber dafür ehrlich und nachvollziehbar.
Am Ende des zweiten Tages war ich erschöpft. Körperlich. Emotional. Und gleichzeitig erfüllt auf eine wundervolle Art und Weise. Ich hatte meine Komfortzone verlassen. Mich gezeigt. Menschen begegnet.
Und festgestellt:
Ich kann das. Auf meine Weise.
Auch wenn ich nicht der klassische „Verkäufertyp“ bin.
Auch wenn ich leise bin.
Oder vielleicht gerade deshalb.
Ich bin all meinen Gästen dankbar dafür, dass sie bei mir vorbeigeschaut haben. Auch wenn ich mich gefreut hätte, ein paar bekannte Gesichter zu sehen. Aber auch das gehört dazu. Und dann gab es diese vielen kleinen Momente, die das überstrahlt haben.
Zum Beispiel die zwei Jungen, die sich so sehr für Mineralien begeisterten, dass ich sie mit in meine kleine Schatzkammer nahm. Einer von ihnen suchte sich einen Stein aus – bezahlt von seiner Oma. Seine Gegenleistung war so einfach wie berührend:
„Ich übe morgen dafür Lesen.“
Und plötzlich bekommt ein Stein eine ganz neue Bedeutung.
Am Ende bleibt vor allem eines: Dankbarkeit.
Für jeden einzelnen Menschen. Für jedes Gespräch. Für jede Begegnung.
Und eine leise Vorfreude auf das, was noch kommt.
Vielleicht die nächsten Kunsthandwerkertage. Vielleicht die Lichterwerkstatt zum Jahresende. Vielleicht etwas ganz anderes.
Wer weiß das schon.
„Manchmal beginnt etwas Großes ganz leise.“
Und genau so darf es weitergehen.
Herzlichst, Fanni
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