Ist es dir auch schon einmal so ergangen, dass du etwas getan hast und im Nachhinein dachtest:
„Ach Mensch, hätte ich doch auf das gehört, was ich zuerst gefühlt habe.“
So geht es vielen Menschen.
Und mir ging es früher unglaublich oft so.
Ich habe mich manchmal richtig über mich selbst geärgert. Früher nannte ich dieses Gefühl einfach Bauchgefühl. Heute weiß ich: Es ist viel mehr als das.
Denn so oft lassen wir uns von den Gedanken anderer lenken, beeinflussen oder verunsichern.
Dabei meinen andere Menschen es meist sogar gut. Sie geben uns Ratschläge, weil sie helfen möchten. Doch wir dürfen eines nie vergessen:
Es sind ihre Erfahrungen, ihre Grenzen, ihre Themen und ihre Sicht auf die Welt.
Aus ihrer Perspektive kann ein Rat vollkommen sinnvoll sein –
aber er muss deshalb noch lange nicht zu dir, deinem Weg oder deinem Vorhaben passen.
Wenn Unsicherheit unsere innere Stimme übertönt
Wenn ich heute darüber nachdenke, warum ich mich früher so stark beeinflussen ließ, taucht ein Wort ganz klar in mir auf: Unsicherheit.
Unsicherheit lässt uns zweifeln.
Unsicherheit macht uns vorsichtig.
Und manchmal bringt sie uns sogar dazu, unserer eigenen inneren Stimme nicht mehr zu vertrauen.
Doch wenn ich heute sanft in mich hineinspüre, nehme ich sie wieder wahr:
Diese leise Stimme in mir.
Sie kennt meine Antworten längst.
Diese Stimme haben wir alle. Manche nennen sie Intuition, andere Bauchgefühl oder innere Weisheit. Du kannst sie nennen, wie du möchtest.
Wichtig ist nur eines:
Sie ist immer da.
Als Kinder konnten wir das noch
Ganz kleine Kinder leben vollkommen intuitiv.
Sie greifen nach der Brust ihrer Mutter, wenn sie Hunger haben.
Sie rufen nach Nähe, wenn sie Trost brauchen.
Sie lachen, wenn ihnen etwas Freude bereitet.
Kinder folgen ganz selbstverständlich dem, was sich für sie richtig anfühlt.
Doch im Laufe des Lebens passiert etwas.
Viele Stimmen kommen hinzu:
Eltern, Lehrer, Freunde, gesellschaftliche Erwartungen.
Manchmal sind es liebevolle Ratschläge.
Manchmal gut gemeinte Warnungen.
Und manchmal einfach nur Meinungen.
Langsam lernen wir, uns stärker an äußeren Stimmen zu orientieren, als an unserer eigenen.
Auch Eltern lernen loszulassen
Als meine Tochter geboren wurde, schenkte mir ihr Urgroßvater ein kleines Büchlein. Darin stand sinngemäß ein Satz darüber, dass wir unseren Kindern Wurzeln geben und ihnen Flügel schenken sollen.
Damals tat mir dieser Gedanke fast ein wenig weh, denn so weit wollte ich damals nicht denken.
Heute verstehe ich diesen Satz viel tiefer.
Die Aufgabe von Eltern ist es nicht, das Leben ihrer Kinder komplett zu lenken.
Unsere Aufgabe ist es, sie zu lieben, zu begleiten und ihnen zu helfen, ihren eigenen Weg zu finden.
Vielleicht gehört dazu auch, ihnen früh zu sagen:
„Du hast eine leise Stimme in dir.
Sie wird dir oft zeigen, was für dich richtig ist.“
Natürlich dürfen Kinder fragen, zweifeln und Rat suchen.
Doch diese innere Stimme wahrzunehmen, ist ein Geschenk.
Meine eigene Intuition war früher sehr stark
Wenn ich zurückblicke, erinnere ich mich daran, dass ich als Kind sehr stark auf mein Bauchgefühl gehört habe.
Man könnte sogar sagen: Ich war darin richtig gut.
Oft habe ich genau das Gegenteil von dem gemacht, was andere mir geraten haben. Nicht aus Trotz – sondern weil sich mein eigener Weg für mich einfach stimmiger anfühlte.
Natürlich lief dabei nicht immer alles glatt.
Intuition bedeutet nicht, dass wir keine Fehler machen.
Manchmal führt sie uns sogar bewusst in Erfahrungen, aus denen wir etwas Wichtiges lernen dürfen.
Denn Fehler sind keine Niederlagen – sie sind Teil unseres Wachstums.
Wenn Erfahrungen uns verunsichern
Irgendwann kam jedoch eine Zeit, in der ich zunehmend unsicher wurde.
In der Schule begann Mobbing. Ein Junge, den ich eigentlich mochte, behandelte mich plötzlich respektlos. Ich verstand das damals nicht. Hier und da gab es fast schon beleidigende Kommentare.
Heute weiß ich: Das Verhalten anderer hatte nichts mit mir zu tun.
Doch damals hinterließ es Spuren.
Unsicherheit kann uns blockieren.
Und unsere Intuition ist sehr feinfühlig.
Wenn wir beginnen, ihr zu misstrauen, wird sie leiser.
Sie verschwindet nicht – aber sie tritt in den Hintergrund.
Die gute Nachricht: Sie kommt sofort zurück
Das Schöne ist:
Unsere Intuition geht nie verloren.
Sobald wir beginnen, wieder auf sie zu achten, meldet sie sich zurück.
Manchmal reichen schon kleine Momente der Achtsamkeit.
Eine Übung, die mir sehr geholfen hat, ist ganz einfach:
Wenn ich eine Entscheidung treffen muss, stelle ich mir bewusst eine Frage. Zum Beispiel:
„Fühlt sich dieser Weg für mich richtig an?“
Dann halte ich kurz inne und spüre in meinen Körper.
Der Körper reagiert erstaunlich schnell.
Ein warmes, ruhiges Gefühl kann ein klares Ja sein.
Ein leichtes Ziehen oder Unruhe im Bauch eher ein Nein.
Mit der Zeit wird dieses Hineinspüren immer leichter.
Intuition macht uns authentisch
Alles, was wir aus unserer Intuition heraus tun, hat eine besondere Qualität.
Es ist ehrlich.
Es ist echt.
Und vor allem: Es passt zu uns.
Wenn wir lernen, dieser leisen Stimme wieder zuzuhören, entsteht etwas Wunderschönes:
Wir werden authentischer.
Wir treffen Entscheidungen, die sich stimmig anfühlen.
Und wir kommen Schritt für Schritt wieder näher zu uns selbst.
Denn letztlich ist genau das die Essenz:
Wenn wir unserer Intuition folgen, handeln wir nicht nach fremden Erwartungen –
sondern nach dem, was wirklich zu uns gehört.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch:
Dass deine innere Stimme dir etwas zuflüstert – und du sie im Alltag manchmal überhörst.
Wann hast du das letzte Mal bewusst auf deine Intuition gehört?
Und wie hat sich diese Entscheidung für dich angefühlt?
Herzlichst, Fanni
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