Mein erster echter Markstand – Schloss Kuckuckstein, zwei Tage voller Lektionen

Markstand von Wohlfühlen und Entspannen – Mineralien, Trommelsteine, Kugelarmbänder und Echtsilberschmuck auf Schloss Kuckuckstein

Es gibt Tage, die man nicht vergisst. Nicht weil sie perfekt waren. Sondern weil sie so echt waren.

Schloss Kuckuckstein. Die Genusstage. 38 Grad. Stickige, brütende Hitze, die sich wie eine unsichtbare Wand anfühlte. Ich hatte zwar schon einmal einen Markstand – aber der war so spontan, so improvisiert, so weit entfernt von dem, was ich mir vorgestellt hatte, dass ich diesen hier als meinen ersten echten Markstand betrachte. Meinen ersten richtigen.

Was auf dem Tisch lag – und was dahintersteckte

Ich hatte mir Gedanken gemacht. Wirklich. Auf meinem Tisch lagen nicht einfach Produkte. Da waren Mineralien, Trommelsteine, Kugelarmbänder, handgefertigter Schmuck aus 925er Echtsilber, das ich bewusst aus Deutschland beziehe – weil ich garantieren möchte, was ich verkaufe. Kein billiges „Silber", sondern echte Qualität, die ihren Preis hat. Und es gab die Möglichkeit, selbst ein Perlenarmband zu fädeln. Für Sammler, für Schmuckliebhaber, für Kinder, für Familien. Ein Ort, an dem Menschen verweilen konnten.

Die erste Käuferin meiner Schmucklinie

Ich hätte nicht gedacht, dass mich eine einzige Begegnung so tief berühren würde.

Ein kleines Mädchen – ich schätze, sie war in der 3. oder 4. Klasse – blieb stehen. Ihre Augen wanderten über die Ohrringe und sie suchte sich ein Paar aus: zarte 2mm-Rosenquarzperlen, dazu feinste Kristallstücke in zartem Rosa, gefasst in 925er Echtsilber. Ohrringe, die ich mit 60 Euro kalkuliert habe – und ich kalkuliere wirklich human.

Sie schaute mich an und sagte: „Mehr habe ich nicht." 13 Euro.

Und ich folgte meiner Intuition. Ohne zu zögern. Ich kalkulierte dennoch nach – und erkannte, dass ich nicht einmal das Material eines einzigen Ohrringes damit eingenommen hatte. Wirtschaftlich war das ein Verlust. Und trotzdem habe ich es gemacht. Ich habe in diesem Moment keine wirtschaftliche Entscheidung getroffen. Ich habe eine zutiefst menschliche Entscheidung aus meiner Intuition heraus getroffen.

Meine Tochter sah die Fairness gegenüber anderen Kunden, mein Mann die Außenwirkung im Sinne von man könnte nun denken, dass mein Schmuck so billig ist und ich mit der Differenz schlichtweg abzocke und ich sah das Mädchen. Keiner hatte Unrecht. Wir haben nur unterschiedliche Dinge verteidigt – und genau das ist eine der wertvollsten Erkenntnisse dieser zwei Tage. Vielleicht werde ich mich in zehn Jahren nicht an den Umsatz dieses Tages erinnern. Aber an sie.

Eine Lektion über das Hoffen

Tag 1. 7 Stunden. 4 Kunden. Viele Menschen gingen vorbei. Und ich lernte etwas, das ich so nicht erwartet hatte: Man wird nicht vom Arbeiten müde. Man wird vom Hoffen müde.

Denn bei jedem Paar Schritte, das näherkam, lebte kurz die Hoffnung auf. Dann liefen sie weiter. Das ist keine Klage – das ist einfach die Realität eines Marktstandes, über die kaum jemand spricht. Und ich finde, das darf man aussprechen.

Der Perspektivwechsel, der mir half: Wenn ich selbst über einen Markt gehe, gehe ich auch an vielen Ständen vorbei. Es lag nicht an mir. Es waren einfach nicht die Menschen da, die sich für meine Welt interessieren – und das ist okay so. Diese Erkenntnis hat mich ruhiger gemacht.

Das Licht in diesem Raum

Noch nie hat mich jemand, den ich kenne, an einem Markstand besucht. Einfach nur eine Freundin, die vorbeikommt – das hatte ich mir so sehr gewünscht. Und dann betrat sie den Raum. Der Raum strahlte auf, als sie eintrat. Sie drückte mich, schenkte mir eine Umarmung von Herzen und ließ unendlich viele liebe Worte da. Manchmal reicht ein einziger Mensch, um einen ganzen Tag zu verwandeln. Von Herzen Danke, dass du den weiten Weg bei der Hitze auf dich genommen hast, nur um mir deine Wertschätzung zu zeigen. So klein und doch so unendlich bedeutsam. 

Tag 2 – Mit Leichtigkeit

Am zweiten Tag sind wir viel freier in die Sache gegangen. Wir wussten: Die Anspannung von gestern war zu viel. Also sagten wir uns: Wir bleiben sitzen, spielen Spiele, schnattern und haben unsere Freude. Wir machen das Beste draus. Und das war die richtige Entscheidung. Am ersten Tag häte ich mir das tatsächlich jedoch noch nicht gewagt. Denn es gab von anderen Marktbetreibern in Reportagen oft einen Hinweis, dass es auf Kunden wie Desinteresse wirkt, wenn man sich beschäftigt, anstatt präsent zu sein und zu bedienen. Doch ich durfte am ersten Tag lernen, dass es immer wichtig ist, erstmal sich selbst gut zu tun. 

Über Worte – und ihre Wirkung

Es gab Bemerkungen, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Eine Besucherin fragte beim Anblick meines Standes: „Und was soll mir das jetzt sagen?" Eine andere meinte: „Ne, ich habe Steine, was soll ich denn mit sowas?" – die Betonung so abwertend, dass sie sicher selbst nicht bemerkt hat, wie sie klang.

Ich habe darüber nachgedacht. Und ich bin zu dem Schluss gekommen:

Lob sollte dem Menschen viel schneller über die Lippen gehen als Kommentare, die abwertend sind.

Ich selbst ging umher und bewunderte die Stände der anderen. Ein älteres Pärchen verkaufte hinreißende Patchwork-Stoffstücke – und ich sagte es ihnen. Das kostet nichts. Und es bedeutet so viel.

Eine andere Ausstellerin verkaufte eigens angefertigte Dekorationsstücke aus dieser weißen, gipsähnlichen Masse – ihr wisst sicher, was ich meine. Ich kaufte bei ihr ein und wollte vorher nach dem Preis fragen. Als sie ihn nannte, dachte ich, ich hätte mich verhört. 10 Euro für ein so schönes Windlicht? Ich fragte nach. 10 Euro. Und dann begann sie, sich fast dafür zu rechtfertigen.

Ich unterbrach sie liebevoll und sagte ihr, dass ihre Sachen für mich einen viel höheren Wert haben – weil ich ihre Arbeit und ihre Liebe darin sehe. Ich hatte nachgefragt, weil ich es sehr günstig fand. Nicht weil es zu viel war.

Und das ließ mich nachdenken. Eine Frau, die so viel Zeit und Herzblut in ihre Ware steckt, rechtfertigt sich für ihren Preis? Ich wünsche ihr von Herzen ganz viel Freude weiterhin mit ihren kleinen Kunstwerken und ganz liebe Kunden, die ihre Arbeit anerkennen und ihr nicht mehr das Gefühl geben sich für den Preis erklären zu müssen. Denn handgefertigte Dinge kosten Geld. Es ist nicht das Stück, das man im Supermarkt für drei Euro aus dem Regal nimmt. Da steckt Handarbeit drin. Kreativität. Viele Stunden des Übens. Und so viel mehr. 

Die kleinen Schatzsucher

Was mich völlig verzauberte: zwei kleine Mädchen. Die eine Maus - so schätze ich - gerade erst im Kindergarten angekommen, die andere wohl schon in der Grundschule. Beide hatten sich in die Trommelsteine verliebt, die ich in einem riesigen Korb kunterbunt gemischt habe. Ihre Mutter wollte zunächst weiter – und ich sah ihre traurigen Blicke. Ich hätte ihnen so gern einfach welche mitgegeben. Aber der Mama "über den Mund fahren" geht nicht. 

Es dauerte keine halbe Stunde und die beiden waren wieder da. Sie wühlten im Korb, kamen so sanft und liebreizend zu mir, zeigten mir ihre Schätze und legten ihr Geld hin. Ich war so entzückt, dass ich ihnen neben meinen Spruchkarten zwei weitere Trommelsteine schenkte. Solche zarten, lieben Seelen.

Vielleicht fragst du dich, was ich mit Spruchkarten meine. Ich hatte ein sehr feines Kartendeck dabei – wunderschöne Karten mit Sprüchen für Klein und Groß. Jeder meiner Kunden durfte sich eine Karte aussuchen und mit nach Hause nehmen. Ein kleines Geschenk, das nichts kostet – und doch so viel gibt. Viele waren sehr dankbar, manche sogar gerührt. Genau solche Momente sind es, die einen Markstand zu mehr machen als nur einem Verkaufsort.

Mein Ocean-Armband

Und dann dieser junge Erwachsene – Anfang 20, schätze ich. Er hatte sich in ein Armband meiner Schmuckserie „Ocean" verliebt. Er strahlte so sehr und fand meinen Stand offensichtlich richtig toll. Dieses Leuchten in seinen Augen war mir eine echte Freude.

In diesem Moment verstand ich, wie sich Verkäufer fühlen, wenn ich ihre Läden und Stände voller Begeisterung durchstöbere. Ist es nicht genau diese Freude und diese Leichtigkeit, die uns so gut tut? 

Ich liebe es übrigens, wenn Männer und Jungs Kugelarmbänder tragen. Das ist nicht nur etwas für Mädchen. 

Eine Kundin, die extra kam

Ich war so dankbar: Heute kam eine ganz liebe Kundin von mir extra für mich vorbei. Ich hatte keine Brille auf und erkannte sie zunächst nicht – aber dieses zarte Wesen und ihr Lächeln waren unverkennbar. Das hat mich wirklich sehr stolz gemacht. Auch danke an dich, wenn du diese Zeilen liest. Das bedeut mir sehr viel.

Mein Fazit – und was ich mitnehme

Ich weiß nicht, ob ich mit meinem Stand in den Rahmen dieses Events passe. Die Genusstage haben ihren Fokus in der wundervollen Ausstellung der Patchwork-Kreationen. Die Gäste suchen Stoffe, vielleicht einen guten Wein und Käse. Das ist ihr Ort – und das ist völlig in Ordnung.

Was ich aber weiß: Ich werde nie wieder meine Mineralien mit an einen Stand nehmen. Das Tragen ist für eine Frau allein schlicht zu viel. Wenn ich wieder einen Stand aufbaue, präsentiere ich meine Armbänder und die Trommelsteine. Meine übrigen Schätze zeige ich über ein schönes kleines Ringbuch – eine Art fotografischer Katalog, der meine Mineralien und meine Räumlichkeiten vorstellt. Elegant, leicht und ganz ich.

Zwei Tage. Viele Begegnungen. Einige Lektionen. Und die Gewissheit: Ich durfte wieder lernen.

Herzlichst,
Fanni 


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