Kennst du das Wort „eigentlich“?
Natürlich kennst du es.
Du benutzt es nämlich eigentlich ständig. Nicht wahr? Ich früher jedenfalls - unentwegt. 😄
„Eigentlich wollte ich heute früher ins Bett.“
„Eigentlich wollte ich gesünder essen.“
„Eigentlich wollte ich heute Sport machen.“
Dieses kleine Wort ist wirklich faszinierend. Und gleichzeitig ein bisschen verhext.
Mir wurde das erst bewusst, als ich viele Monate in einem wundervollen Frauenkreis verbracht habe. Dort machte uns die Hüterin des Raumes eines Tages auf etwas aufmerksam: Wie oft wir das Wort „eigentlich“ benutzen.
Und plötzlich hörten wir es überall.
„Eigentlich …“
„Ja, eigentlich schon …“
„Eigentlich wollte ich …“
Am Anfang haben wir darüber gelacht. Doch je bewusster wir darauf achteten, desto spannender wurde es.
Denn dieses Wort hat eine besondere Wirkung. Es klingt ein bisschen so, als würden wir uns eine Hintertür offen lassen.
So, als würden wir sagen:
„Ja … aber so ganz sicher bin ich mir nicht.“
Oder:
„Ich möchte das eigentlich … aber vielleicht doch nicht.“
Unsere Leiterin stellte irgendwann eine ganz einfache Frage in dem Sinne wie:
Ist das jetzt eigentlich ein Ja – oder eigentlich ein Nein?
Und plötzlich wurde es still in mir.
Denn genau das macht dieses Wort oft mit uns:
Es zeigt, dass wir uns nicht ganz klar sind.
Wenn „eigentlich“ plötzlich überall auftaucht
Als wir anfingen, bewusst darauf zu achten, wurde es richtig lustig.
Man sitzt im Gespräch und plötzlich merkt man:
„Oh … da war es wieder. Eigentlich.“
Dann sagt man:
„Stopp! Da war es schon wieder!“
Und schon beginnt das Nachdenken:
Was wollte ich wirklich sagen?
Ja
Nein
Vielleicht
Oder doch etwas ganz anderes?
Diese kleine Übung hat mir gezeigt, wie oft wir sprechen, ohne wirklich bewusst zu formulieren, was wir wirklich meinen.
Man redet einfach drauf los. Worte purzeln heraus.
Und mittendrin taucht dieses kleine Wort auf: Eigentlich.
Ein paar typische Beispiele
Vielleicht erkennst du dich hier wieder:
„Eigentlich wollte ich heute früher schlafen.“
→ Also willst du schlafen oder doch noch drei Folgen deiner Serie schauen?
„Eigentlich müsste ich mehr Sport machen.“
→ Möchtest du Sport machen – oder hat dich dein innerer Schweinehund besiegt?
„Eigentlich hätte ich Lust, aber …“
→ Da versteckt sich oft schon die Antwort.
Dieses Wort zeigt uns manchmal sehr ehrlich, dass wir noch nicht ganz klar sind.
Eine kleine Übung für den Alltag
Achte doch einmal einen Tag lang bewusst darauf, wie oft du das Wort „eigentlich“ benutzt.
Und wenn du dich dabei ertappst, halte kurz inne und frage dich:
Was will ich wirklich sagen?
Ja
Nein
Vielleicht
Oder etwas ganz anderes?
Allein diese kleine Pause kann unglaublich viel verändern. Denn sie macht dich achtsamer, klarer und bewusster in deiner Sprache.
Und manchmal stellst du dann fest:
Du wolltest eigentlich etwas sagen … aber in Wahrheit meinst du etwas ganz anderes. 😉
Nach einer gewissen Übung, huscht dir das Wort immer weniger über die Lippen, denn du wurdest
bewusster, achtsamer und klarer.
Und weißt du was?
Klarheit tut gut. Sie befreit, sie ist ein Funken Selbstliebe, denn du sagst endlich, was du willst.
Denn ganz tief in dir gibt es das Wort "eigentlich" nicht. Das ist nur daraus entstanden, dass wir mit der Zeit durch unsere eigenen Erfahrungen unsicher geworden sind und lernten, dass es manchmal besser ist sich mit seinen Worten langsam heranzutasten oder aber man wirklich gar nicht weiß, was man wirklich will. Beides ist möglich. Aber es lohnt sich das zu hinterfragen - selbstreflektiert, ehrlich.
Teile hier gern deine Erfahrungen. Ich freue mich über deinen Kommentar. Und wenn du willst, quatschen wir im nächsten Frauenkreis gern über dieses gar lustige Wort.
Herzlichst, Fanni
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